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Fachverband Urologie & Onkologie Niedersachsen

Therapien & Studien

Prostatakrebs-Rezidiv: Neue Forschungsansätze zur Überwindung von Therapieresistenzen

Nach kurativer Erstbehandlung bleibt das Rezidiv des Prostatakarzinoms ein ungedecktes klinisches Problem – das formuliert die Urology Times in einer aktuellen Einordnung.

Prostatakrebs-Rezidiv: Neue Forschungsansätze zur Überwindung von Therapieresistenzen

Prostatakrebs ist in den USA mit rund 300.000 Neudiagnosen pro Jahr die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern. Daten des Pfizer-Forschungsteams beziffern den Anteil der Patienten, die innerhalb von fünf Jahren nach Diagnose ein metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom (mCRPC) entwickeln, auf 10 bis 20 Prozent. Eine kurative Therapie existiert in diesem Stadium nicht.

EZH2 als Angriffspunkt für Resistenzumkehr

Das Enzym EZH2 (Enhancer of Zeste Homolog 2) reguliert als epigenetischer Schalter die Ablesbarkeit von Genen und kann bei Überaktivität Tumorsuppressorgene stilllegen. In Prostatakarzinomen trägt EZH2 nach Darstellung von Pfizer zur Resistenz gegen Androgenrezeptor-Signalweg-Inhibitoren (ARPI) bei. Die Kombination aus EZH2-Inhibitor und ARPI zielt auf eine Umkehr des resistenten Zellzustands: präklinische Daten weisen darauf hin, dass zuvor ARPI-resistente Zellen unter dem Kombinationsregime wieder auf eine Hormontherapie ansprechen können. Klinisch bestätigt ist dieser Effekt bislang nicht.

Pharmakologie und klinischer Datenstand

Pfizer beschreibt einen strukturchemischen Fortschritt: Durch Einführung einer Ringstruktur in ein zuvor lineares Molekül wurde die Bindungsaffinität zum EZH2-Enzym deutlich erhöht. Der zuständige Medizinalchemiker Dr. Scott Sutton beschrieb den Vorgang als Anpassung eines Schlüssels an ein Schloss. Harte klinische Endpunkte aus Phase III – Gesamtüberleben, Hazard Ratio, p-Wert – sind aus den verfügbaren Quellen nicht ableitbar. Solange keine randomisierten Vergleichsdaten vorliegen, bleibt der Zusatznutzen gegenüber bestehenden mCRPC-Standardtherapien eine offene Frage.

Bedeutung für die Nachsorge

Patienten nach kurativer Erstbehandlung sollten die leitliniengerechte PSA-Nachsorge konsequent wahrnehmen. Sie ist die einzige Intervention mit gesicherter Aussagekraft für die Früherkennung eines biochemischen oder klinischen Rezidivs. Ergänzende Strategien – etwa transdermale Östrogenpflaster als Alternative zur Androgendeprivationstherapie, diskutiert in einer UroToday-Runde zwischen Klinikern und Patientenvertretern – befinden sich in der wissenschaftlichen Diskussion und sind kein Ersatz für leitlinienkonforme Therapie. US-Zentren wie das im WKYT-Bericht erwähnte Medical Center bieten neue Optionen für das metastasierte Setting an; in Deutschland gilt: jede Therapieänderung nur in Abstimmung mit dem behandelnden Urologen oder Onkologen und nach Prüfung des EU-Zulassungsstatus. Was Patienten selbst beitragen können: Nachsorgetermine einhalten, PSA-Verläufe dokumentieren, neue Symptome wie Knochenschmerzen, Gewichtsverlust oder Fatigue zeitnah melden. Nahrungsergänzungsmittel und nicht zugelassene Präparate sind kein Ersatz für die onkologische Therapie; nicht evidenzbasierte Maßnahmen bleiben nicht evidenzbasiert.