Zum Inhalt springen
Informationsportal zu Gesundheitsthemen — keine Online-SprechstundeZahlung per Nachnahme · Lieferung in 3–7 Werktagen
Fachverband Urologie & Onkologie Niedersachsen

Uro-Onkologie

Prostatakrebs-Früherkennung in der EU: Das neue Folgeprojekt PRAISE-U+ im Überblick

Nach Angaben der European Association of Urology (EAU) startet mit PRAISE-U+ ein Folgeprogramm zur risikobasierten Früherkennung von Prostatakrebs in der EU.

Prostatakrebs-Früherkennung in der EU: Das neue Folgeprojekt PRAISE-U+ im Überblick

Es baut auf dem Pilotprojekt PRAISE-U auf, das in mehreren europäischen Ländern untersucht hat, ob sich ein mehrstufiger Screeningpfad umsetzen lässt. Für Patienten ist das ein Forschungs- und Umsetzungsprogramm, keine bereits EU-weit eingeführte Einladung zur Früherkennung.

Was PRAISE-U gezeigt hat

Laut EAU nahmen rund 15.000 Männer an Screeningprogrammen an fünf europäischen Pilotstandorten teil. Der mehrstufige Ablauf wurde demnach an allen Standorten umgesetzt; die Teilnahmequote innerhalb des Pfads lag bei mehr als 90 Prozent. Die Beteiligung am Screening unterschied sich zwischen den Standorten und reichte von 7,1 bis 43 Prozent.

Die Projektgruppe berichtet außerdem von einer gemeinsamen Datenerfassung und einem Rückgang sowohl bei MRT-Untersuchungen als auch bei Biopsien. Angaben zu statistischer Signifikanz, Vergleichsgruppen oder einem Einfluss auf die Prostatakrebssterblichkeit enthält die Mitteilung nicht. Daraus lässt sich daher kein belegter Nutzen für diese Endpunkte ableiten.

Auch die psychosozialen Ergebnisse sind für die Einordnung relevant: Während die Teilnehmenden laut EAU im Verlauf des Screenings keinen erhöhten Stress erlebten, nahm die Angst während des Screeningprozesses zu. Die EAU hebt deshalb Kommunikation und psychosoziale Unterstützung als wichtige Bestandteile des Ablaufs hervor.

Was PRAISE-U+ weiter untersuchen soll

Das Folgeprogramm soll die Initiative auf sieben weitere EU-Mitgliedstaaten ausweiten und zehn Pilotstandorte umfassen. Geplant sind eine weitere Präzisierung der Qualitätssicherung des Screeningalgorithmus und Untersuchungen zur langfristigen Nachhaltigkeit des risikobasierten Screenings.

Die bisherigen Ergebnisse sprechen laut EAU dafür, dass der anpassbare Screeningpfad in unterschiedlichen Versorgungskontexten umsetzbar ist. Sie belegen jedoch nicht, dass ein bestimmtes Früherkennungsangebot für jeden Mann geeignet ist. Auch lässt sich aus den vorliegenden Angaben keine individuelle Empfehlung für oder gegen einen PSA-Test ableiten.

Was Patienten daraus ableiten können

PRAISE-U+ schafft zunächst weitere Evidenz; es ersetzt nicht das persönliche Beratungsgespräch. Wer eine Früherkennungsuntersuchung erwägt, sollte mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen, welche Untersuchungen vorgesehen sind und wie mögliche Folgeentscheidungen aussehen. Dazu gehört auch, Nutzen und mögliche Belastungen des Screeningpfads abzuwägen.

Die klinische Relevanz des Programms hängt davon ab, ob die erweiterten Pilotdaten verlässliche Aussagen zu Qualität, langfristiger Umsetzung und patientenrelevanten Ergebnissen ermöglichen. Die bisher veröffentlichten Angaben beschreiben vor allem die Umsetzbarkeit; einen Nachweis für einen Rückgang der Sterblichkeit liefern sie nicht.