Uro-Onkologie
ProFocal-Lasertherapie: Neue Hoffnung bei lokalisiertem Prostatakarzinom
Wie die BBC berichtet, behandelt das Guy's Hospital in London im Rahmen einer Pilotstudie erstmals im britischen NHS Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom mittels der neuen fokalen Lasertechnologie ProFocal.

Bei den ersten zehn ausgewerteten Fällen sei der Tumor im behandelten Areal vollständig zerstört worden, bei zwei Patienten sei ein minimaler Restbefund verblieben – frühe Interimsdaten aus einer einarmigen Kohorte ohne Kontrollgruppe.
Technik und Vorgehen
Das ProFocal-System überträgt Laserenergie über eine dünne Faser, die in einem gekühlten Metallstab geführt wird. Der Zugang erfolgt transperineal; MRT und Ultraschall dienen der Echtzeitnavigation. Rick Popert, leitender urologischer Chirurg am Guy's and St Thomas' NHS Foundation Trust, hebt hervor, dass das Verfahren im Gegensatz zu anderen fokalen Ansätzen in sämtlichen Prostatarregionen einsetzbar sei – auch in Arealen, die sonst schwer erreichbar wären. Der Eingriff dauert laut Krankenhausangaben etwa eine Stunde unter leichter Vollnarkose, eine Entlassung am Operationstag ist vorgesehen. Die Methode zielt darauf ab, karzinomöses Gewebe zu devitalisieren und möglichst viel gesundes Prostatagewebe zu erhalten.
Studienlage und regulatorischer Status
Die britische Pilotstudie umfasst 30 Patienten und repliziert eine in Australien bereits mit über 100 Teilnehmern durchgeführte Untersuchung. Popert zufolge stehen belastbare Langzeitdaten zur onkologischen Dauerhaftigkeit und zum funktionellen Outcome aus; alle Patienten erhalten strukturierte Nachkontrollen, darunter eine MRT nach zwölf Monaten zur Bewertung der Therapiedauerhaftigkeit. Eine breitere NHS-Verfügbarkeit ist an die UK Conformity Assessed-Zertifizierung gebunden. Die Anschubfinanzierung in Höhe von 125.000 Pfund stammt von den London Freemasons und wurde über die Guy's Cancer Charity bereitgestellt.
Einordnung für Patienten
Die vorgestellten Ergebnisse sind vorläufige Daten einer kleinen, nicht kontrollierten Fallserie. Aussagen zur Nichtunterlegenheit gegenüber Prostatektomie, perkutaner Strahlentherapie oder Brachytherapie sowie zu langfristiger Tumorfreiheit, Harnkontinenz und erektiler Funktion lassen sich daraus nicht ableiten. Für Patienten mit neu diagnostiziertem lokalisierten Prostatakarzinom bleibt die leitliniengerechte Aufklärung in einem zertifizierten Prostatakarzinomzentrum der Standard – einschließlich aktiver Überwachung bei Niedrigrisikoprofilen. Die fokale Lasertherapie ist derzeit kein Bestandteil der regulären Versorgung; Interessenten sollten die Studieneinschlusskriterien direkt am Guy's Hospital oder an vergleichbaren Prüfzentren erfragen und jede Therapieoption gegen den histologischen Befund, das Tumorstadium und das individuelle Risikoprofil abwägen.